Goethe- und Schiller-Archiv erfolgreich bei Handschriftenauktion

Goethe- und Schiller-Archiv Weimar ersteigert umfangreiche Sammlung von Briefen des Dichterfürsten an seine Schwiegertochter Ottilie.

Auf der Frühjahrsauktion der Berliner Firma J. A. Stargardt am 1. und 2. April 2008 konnte das Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv wertvolle Autographen erwerben, darunter die umfangreichste Sammlung von Briefen Goethes an seine Schwiegertochter Ottilie, die jemals geschlossen zum Verkauf angeboten wurde. Ottilie von Goethe (1796–1872), geb. Pogwisch, lebte seit ihrer Eheschließung mit Goethes Sohn August im Juni 1817 in der Mansardenwohnung des Hauses am Frauenplan. Als vertrautes Mitglied der Familie, als Vorleserin, Übersetzerin, Berichterstatterin des Hof- und Gesellschaftslebens, als kritische Leserin (und Hörerin) seiner Werke wurde Ottilie dem alternden Dichter unentbehrlich. Weltoffen und ausgestattet mit perfekten Umgangsformen, empfing sie die zahlreichen Gäste in Goethes Wohnhaus. Auch trat sie mit eigenen Projekten hervor, so etwa mit der von ihr begründeten literarischen Wochenschrift „Chaos" (1829–1832).

Die 33 neu erworbenen Briefe aus den Jahren 1817 bis 1830 ergänzen die Bestände des Goethe- und Schiller-Archivs, wo sie nun mit den zugehörigen Konzepten und vor allem mit den Gegenbriefen zusammen aufbewahrt werden. Ermöglicht wurde die Erwerbung der Klassik Stiftung Weimar durch die Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Sparkasse Mittelthüringen. Der Erwerb der Handschriften kommt nicht zuletzt der im Entstehen begriffenen historisch-kritischen Gesamtausgabe der Goethe-Briefe zugute, die im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar und des Goethe- und Schiller-Archivs herausgegeben wird.

Aus dem Umfeld Goethes wurden weitere 14 Autographen erworben, zu denen auch ein bislang nicht zugängliches Manuskript der Erinnerungen von Carl Wilhelm Heinrich Freiherr von Lyncker gehört, die zuletzt 1997 unter dem Titel „Ich diente am Weimarer Hof. Aufzeichnungen aus der Goethezeit" publiziert worden sind. Zudem konnten auch die Nachlässe Charlotte von Schillers und Friedrich Hebbels durch je einen bedeutenden Brief bereichert werden.