Parlamentarismus in der Französischen Republik und dem Empire

Konferenz zum Parlamentarismus in der Französischen Revolution und dem Empire. Veranstalter ist der Landtag Rheinland-Pfalz in Kooperation mit der Kommission des Landtags für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz am 21.05.2008.

18. März 1793: Kanonenschüsse, Glockengeläut, ein Menschenauflauf vor dem Mainzer Deutschhaus. Andreas Josef Hofmann, der Präsident des erst am Tage zuvor zusammengetretenen Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents, tritt auf den Balkon und verliest das gerade vom Konvent verabschiedete Dekret, das mit den Worten anhebt: „Der ganze Strich Landes von Landau bis Bingen, welcher Deputierte zu diesem Konvente schickt, soll von jetzt an einen freyen, unabhängigen, unzertrennlichen Staat ausmachen, der gemeinschaftlichen, auf Freiheit und Gleichheit gegründeten Gesetzen gehorcht." Dieser Beschluss der Deputierten, zu denen u. a. Georg Forster und Adam Lux gehörten, gilt als die „Geburtsurkunde" der Demokratie in Deutschland.

Auch wenn der Mainzer Republik selbst nur eine kurze Dauer beschieden war, stand sie doch am Anfang einer neuen Zeit, die republikanisches Denken prägte. Die Nähe zu Frankreich brachte es mit sich, dass die Rheinlande von den Entwicklungen der Französischen Revolution und des Empires unmittelbar und nachhaltig berührt wurden. Je nach politischem Standpunkt wurden die Franzosen als Besatzer oder Befreier erlebt. In Forsters Zeit erlebte das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz den endgültigen Bruch mit der alten politischen Ordnung der Fürsten und Stände.

Weder Napoleons Kaisertum noch die monarchistische Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress (1814/1815) ließen die Debatte um „Freiheit" und „Verfassung" verstummen. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Republik waren getan. Den Weg von den landständischen Vertretungen bis hin zum ersten Landtag Rheinland-Pfalz, der am 4. Juni 1947 erstmals in Koblenz zusammentrat, nachzuzeichnen, ist die verbindende Zielsetzung der Symposien, die der Landtag in Kooperation mit der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz anlässlich des Verfassungsfestes ausrichtet.

Programm:
Mittwoch, 21. Mai 2008

9.30 Uhr Begrüßung (Prof. Dr. Michael Kißener, Mainz

Einführung (PD Dr. Johannes Dillinger, Oxford/Trier)

9.45 Uhr Reichstag, Kreistag, Landtag – „Parlamente" im Alten Reich? (Prof. Dr. Matthias Schnettger, Mainz)

10.30 Uhr: Kaffeepause

10.45 Uhr Frankreichs revolutionäre Mission (Prof. Dr. Rolf Reichardt, Gießen/Mainz)

11.30 Uhr Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent 1793 – das erste Parlament in Deutschland (Dr. Franz Dumont, Mainz)

12.15 Uhr Diskussionsrunde (Moderation: PD Dr. Johannes Dillinger)

12.45 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Protoparteien im Linksrheinischen unter französischer Herrschaft 1792-1799: Volksgesellschaften und Konstitutionelle Zirkel (PD Dr. Jürgen Müller, Frankfurt)

14.30 Uhr Aufklärung und Revolutionsbegeisterung – Die Politisierung der Studenten und Professoren am Vorabend der Mainzer Republik (Dr. Jörg Schweigard, Stuttgart)

15.00 Uhr Kaffeepause

15.15 Uhr Die Pfalz unter dem Einfluss der französischen Revolution (Dr. Michael Martin, Landau)

15.45 Uhr Joseph Görres – ein deutscher Denker im Zeitalter der Französischen Revolution und Expansion (Uwe Daher M. A., Düsseldorf)

16.15 Uhr Regionale Partizipation im Bonapatismus – Wahlkollegien und Repräsentativorgane im Saardepartement (Dr. Wolfgang Stein, Koblenz)

16.45 Uhr Abschlussdiskussion (Moderation: Prof. Dr. Matthias Schnettger)

17.15 Uhr Empfang

18.00 Uhr Straße der Demokratie – Auf den Spuren Georg Forsters Stadtführung