Lutherisches Gottvertrauen im Hause Stein LWL zeigt im Schloss Cappenberg "Die Familie des Freiherrn vom Stein"

Im Oktober wird man in Westfalen und darüber hinaus des Geburtstages des Freiherrn vom Stein vor 250 Jahren gedenken.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ergänzt aus diesem Anlass die Ausstellung des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Schloss Cappenberg um eine Sonderabteilung:
"Die Familie des Freiherrn vom Stein". Dort werden zahlreiche noch nie ausgestellte Bilder und Objekte aus der Familie vom Stein zu sehen sein, die auch in einem Katalog dokumentiert und erläutert sind.

Stein stammte aus einer mittelrheinischen Adelsfamilie, die seit dem 12. Jahrhundert auf einer "Stein" genannten Bergkuppe unterhalb der Grafenburg Nassau ansässig war und enge Verbindungen zur Abtei Arnstein unterhielt, was ein mittelalterliches Familienbild veranschaulicht. In ihren Dörfern Frücht und Schweighausen übten die Herren vom und zum Stein die Landeshoheit aus und gehörten dafür der rheinischen Reichsritterschaft an. 1669 erwarb die Familie den Rang von Reichsfreiherren.

Den Eltern und Geschwistern gilt die besondere Aufmerksamkeit der Ausstellung; sie werden in Porträts vorgestellt.
Illustrierte Bücher zeigen, wie lutherisches Gottvertrauen und Frömmigkeit Steins Elternhaus bestimmten. Im Hause der Steins sprach man Französisch: ein Französisch-Lehrbuch ist zu sehen.
Hatte sein Vater im pietistischen Halle - damals eine der modernsten Universitäten Deutschlands - studiert, so hielt die geistig sehr interessierte Mutter Kontakt zu vielen Geistesgrößen ihrer Zeit; Goethe, Lavater, Basedow und die erste deutsche hauptberufliche Romanschriftstellerin Sophie von Laroche besuchten sie in Nassau - von ihnen sind Bildnisse und Schriften zu sehen.

Besonders bemerkenswert sind zwei bisher ganz unbekannte Bilder von Georg Melchior Kraus (1737-1806), dem Zeichenlehrer Goethes
- und von Steins Schwester Johanna Louise. Kraus folgte ihr nach ihrer Hochzeit 1773 nach Thüringen und siedelte sich 1776 - mit Goethe - in Weimar an. Die Bilder zeigen Steins Schwester als glückliche Mutter - ganz im Sinne des damals modernen, von Rousseau formulierten Frauenideals.

Die Ausstellung beschließen Bildnisse der Ehefrau des Freiherrn vom Stein, Wilhelmine von Wallmoden-Gimborn, und seines Schwiegervaters Johann Ludwig von Wallmoden, ein außerehelicher Sohn König Georgs II. von England und Kurfürsten von Hannover und General der hannoverschen Armee.

Mit dem Blick auf Steins Familie und die Bilder, die sein Familienbewusstsein prägten, versucht die Ausstellung, eine der Wurzeln für seine politische Vision des mündigen, für den Staat und das Gemeinwohl engagierten Staatsbürgers aufzuzeigen.

Die Ausstellung ist vom 1. September bis zum 14.Oktober zu sehen, täglich außer montags 10-17 Uhr, der Eintritt ist frei.
Sonntags um 15.30 ist jeweils eine öffentliche Führung (Teilnahmegebühr 3.50 €), wobei auch sonst geschlossene Räume, der Steinsaal und die Stiftskirche, gezeigt werden.

Alle Exponate und weitere Bilder zur Familiengeschichte sind im Katalog farbig abgebildet (7 €).