»Vom Erhabenen zur Lächerlichkeit ist nur ein Schritt.«
Napoléon, 1812
Napoléon - Genie und Despot - visionärer Neuerer und kriegswütiger Eroberer - die ebenso einzigartige wie zwiespältige Person
Napoléon, fasziniert und polarisiert bis heute. Für die einen ist er das Genie, das Europa aufrüttelte und die Ideen der Menschenrechte auf dem ganzen Kontinent verbreitete, für die anderen ist er der machtbesessene Despot, der die ganze Welt seinen Ideen unterwerfen wollte. Nie zuvor haben die bedeutendsten Künstler einer Zeit eine Persönlichkeit so leidenschaftlich verehrt und gehasst wie
Napoléon.
So gegensätzlich wie ihre Auffassungen sind auch ihre Darstellungsmittel: vom idealisierten Herrscherbildnis bis zur beißenden Satire, von der heroischen Porträtbüste zur derb dreisten Karikatur. Erstmals treffen in einer Ausstellung nun diese diametral entgegengesetzten Sichtweisen aufeinander und vermitteln einen faszinierenden Eindruck der widersprüchlichen Persönlichkeit Napoleons. Das Zerrbild wird erst im Kontrast zum Idealbild verständlich.Rund 180 Exponate zeichnen den Weg
Napoléons nach: von den stürmischen Anfängen des korsischen Feldherren, über seine Ernennung zum Ersten Konsul der Französischen Republik, der Kaiserkrönung, bis zur endgültigen Verbannung auf die Insel St. Helena. Keine andere Person ist in der Zeit zwischen 1792 und 1815 so oft karikiert worden wie <limk internal-link><img src="http://www.epoche-napoleon.net/fileadmin/project/bild/link01.gif" alt="Öffnet internen Link im aktuellen Fenster">Napoléon.</limk>
Die meisten Karikaturen entstanden in England. Ein liberaler Umgang mit Presse- und Meinungsfreiheit führte hier zu einem frühen Höhepunkt der satirischen Bildproduktion. Künstler wie
James Gillray,
Thomas Rowlandson und
George Cruikshank gaben das heroische Ideal mit spitzer Feder und beißendem Spott der Lächerlichkeit preis.
Erst nach dem Ende des preußischen Zensuredikts erschienen ab dem Jahr 1813 - während der Befreiungskriege - auch in Deutschland zahlreiche kritische Karikaturen gegen den französischen Despoten. Bekannte Künstler wie
Johann Gottfried Schadow oder
E.T.A. Hoffmann beteiligten sich an diesem Bilderkampf. Doch trotz des wachsenden Nationalgefühls zogen es viele Zeichner weiterhin vor, anonym zu bleiben.
In der Gegenüberstellung dieser Karikaturen mit dem inszenierten und idealisierten Herrscherkult in Bildnissen, Porträtbüsten, Münzen und Devotionalien wird der Zwiespalt einer ganzen Epoche greifbar. »Das Erhabene trifft hier auf das derb Komische, das Heroische auf das Lächerliche, das Ideal auf dreiste Drolligkeit. Dieser Mann war der Stern seines Volkes und dann seine Sonne geworden. Es war kein Verbrechen, sich von ihr blenden zu lassen. ... Wir müssen die Begeisterung begreifen und den Widerstand ehren. Beide sind rechtmäßig gewesen.« sagte im Jahre 1841 der Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885).
Die Ausstellung »Napoleon - Genie und Despot« ist eine Kooperation mit dem Wilhelm-Busch-Museum Hannover und dem Napoleonmuseum Schloss Arenenberg am Bodensee. Weitere Leihgeber sind das Hannoveraner Kestner-Museum sowie die Stiftung Niedersachsen und das Westfälisches Landesmuseum Münster.
Veranstaltungsinformation:
»Napoleon - Genie und Despot.«
02.07.2007 - 02.09.2007 Di - So. 11:00 - 18:00 Uhr
Ludwig Galerie im Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46 | 46049 Oberhausen
Tel.: +49 (208) 41249